Dialog
Ein Buch
28 Seiten mit Aquarellillustrationen
ZHdK, 2025
Ich liebe es, durch Fenster zu schauen ... Anhand der achtlos zugezogenen, schwerelosen Spitzengardine oder der stumpf aufgehängten schweren Vorhänge, der Vase mit Geranien oder dem unvollendeten Glas Tee, der faulen Katze, die sich in der Sonne aalt, kann ich erraten, wer in diesem Haus wohnt.
Ich stehe vor den Fenstern und scheine in die Augen des Hauses zu blicken: Ich führe einen wortlosen Dialog. Aber am meisten liebe ich es, durch Fenster alter, verlassener Häuser zu schauen. Sie sind von wilden Weintrauben und Spinnweben umrankt, vor ihrem Hintergrund funkeln im Herbst die blutroten Tropfen der Hagebutten, und im Frühling sind sie hinter den Fliederbüschen oder der üppigen Blüte des Paradiesapfelbaums fast unsichtbar. Was lässt sich in den Augen solcher Häuser lesen?
Traurigkeit, der Schmerz der Einsamkeit, die Hoffnung auf die Rückkehr der Besitzer, die stille Erwartung des unausweichlichen Schicksals?
Gewidmet den Millionen Ukrainern, die während des Krieges ihre Heimat verlassen mussten.